Audi A4 1,8T ’97: Motortausch auf dem Parkplatz

Für alle Interessierten hier ein bebilderterter Aus- und Einbau eines 1,8T-Motors (MKB: AEB, 150 PS) bei einem Audi A4 Avant (Baureihe B5, Typ 8D, BJ: 1997). Der Aus- und Einbau fand auf einem Parkplatz ohne Motorkran oder sonstige Spezialwerkzeuge statt.

Der alte Motor hatte nach einer Überhitzung einen krummen Zylinderkopf inklusive eingelaufener Einlassnockenwelle. Die Überhitzung wurde während einer Autobahnfahrt durch das untere (und durchgerostete) Wasserrohr verursacht, da dort Kühlwasser aus dem Rücklauf austreten konnte.

Ein Motortausch stellte die kostengünstigste Alternative dar. Ich habe (als Laie) für den gesamten Motortausch bei gemütlicher Arbeitsweise ca. 30 Stunden gebraucht.

Der gebrauchte Austauschmotor wurde bei eBay nach ca. einer Woche Recherche per Preisvorschlag ersteigert. Er stammt aus einem Passat 3B aus 1996 mit angeblichen 136.000 km Laufleistung und hatte einen „so gut wie“ neuen Zahnriemen. Geliefert wurde der Motor mit allen Anbauteilen bis auf den Klimakompressor auf einer Palette mit 140 kg Gesamtgewicht. Dabei waren auch der Katalysator mit Abgasrohr, der Luftfilterkasten mit einem Sportluftfilter, der Ladeluftkühler und das Motorsteuergerät mit Kabelbaum.

Ausbau des alten Motors

Der Ausbau an sich ist auf jeden Fall einfacher als der Einbau, da das Altteil quasi ohne Rücksicht auf Verluste rausgeruppt werden kann. Später verwendbare Teile oder potentielle Ersatzteile sollten vorher aus- bzw. abgebaut werden. Das Gewicht des auszubauenden Überbleibsels wird dadurch geringer, was einen Ausbau ohne Motorkran vereinfacht. Der Motor ist links und rechts fest mit zwei Motorlagern mit der Karossiere verbunden. Vorne ist der Motor über ein Gummilager in den Schlossträger eingesteckt. Das Getriebe stellt mit 11 Schrauben die hintere Fixierung am Motor dar.

Zuerst wurde die Front des Fahrzeugs entfernt (Stossfänger, Scheinwerfer, Blinker, Schlossträger usw.), damit man besser an bzw. in den Motorraum kommt. Anschließend wurden alle Teile und Abdeckungen aus dem Motorraum (Luftfilterkasten, Kühlmittelausgleichsbehälter usw.) ausgebaut, bis nur noch der Motor im Motorraum übrig war.

Vor dem Ausbau müssen alle Verbindungen vom Motor zur Karosserie getrennt sein – d. h. alle Schläuche, Kabel und Schrauben. Das Getriebe muss von unten z. B. mit einem Wagenhaber oder ein paar Holzstützen gesichert werden, damit es beim Abdocken des Motors vom Getriebe nicht zu weit nach unten absackt und evtl. Schaden nimmt Schäden verursacht.

Der Motor konnte, nachdem er mit einem Seil ordentlich an einem längeren Holzbalken befestigt wurde, mit zwei Mann nach vorne herausgehoben werden. Sobald sich der Motor vom Getriebe trennt ist er auch um einiges leichter…

Motoren im Detail vergleichen

Der alte Motor wurde im ausgebauten Zustand erstmal gesichtet um evtl. Unterschiede zu dem „neuen“ Motor notieren zu können. Auch wenn es sich augenscheinlich um zwei gleiche Motoren handelt, gibt es doch immer mal kleine Unterschiede, z. B. andere Anschlüsse oder Anbauteile.

In diesem Fall war die Servopumpe ein anderes Modell mit anders gelegenen Anschlüssen und einem etwas anderen Arbeitsdruck. Der Rücklauf von der alten Servopumpe geht abgewinkelt nach oben, von der neuen geht er gerade nach unten. Das untere Wasserrohr war zwar im Gegensatz zu dem des alten Motors intakt, verfügte aber nicht über eine Schnellkupplung. Ein zweiter Sensor im Kühlkreislauf neben dem Thermoschalter sorgte für Verwirrung, welcher aber lediglich als Blindstopfen diente – zumindest war kein Anschluss für einen solchen Sensor im Kabelbaum des Audi A4 vorgesehen.

Nach Prüfung der Unterschiede wurde ein neues Wasserrohr vom 1,8 ADR mit Schnellkupplung bei eBay ersteigert. Für den verlängerten Rücklauf der Servopumpe wurde ein Stück Schlauch von dem alten Ölkühler abgeschnitten, welcher bereits gewinkelt ist, um damit den Rücklaufschlauch zum Servoausgleichsbehälter über eine Kupplung zu verlängern.

Einbau des gebrauchten Motors

Vor dem Einbau wurde der Motorraum ordentlich mit einem Hochdruckreiniger gesäubert. Der Motor wurde auf einem umgebauten Möbelwagen mit max. 200 kg Belastbarkeit platziert, gesichert und von vorne in den Motorraum hinein gefahren. Die Form und Höhe des Wagens und die Platzierung des Motors auf dem Wagen wurden so gewählt, dass dieser fast komplett in die Einbauposition gefahren werden konnte. Der umgebaute Möbelwagen war ein unverzichtbares Hilfsmittel beim Einbau. Der Motor hätte durch zwei Mann am Balken tragend unmöglich eingebaut werden können, allein schon wegen des hohen Gewichts.

Das Getriebe wurde etwas angehoben, damit der Motor leichter auf den Zapfen gesteckt werden konnte. Nach ein bisschen Rütteln am Motor saß dieser ordentlich am Getriebe und am Katalysator. Abschließend wurden die Motorlager positioniert, der Möbelwagen entfernt und das Getriebe runtergelassen… Motorlagermuttern und Getriebeschrauben verschraubt, fertig!

 


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